Um Gesten beschreiben, strukturieren und vergleichen zu können wurden je nach Forschungsdisziplin und Perspektive unterschiedliche Klassifikationen vorgelegt. Der hier verfolgte Ansatz greift auf linguistische Beschreibungsparameter v.a. von McNeill (1992) zurück. Er erweitert diese mit Ansätzen, die für eine Klassifizierung von Gesten im Bereich der zweidimensionalen Gesten-Bedienung von Multitouchgeräten existieren (v.a. Wobbrock, 2009), sodass letztlich eine für die Mensch-Maschine-Forschung neuartige und praktikable Methode der Klassifikation von Gestenkommandos entsteht.

Untenstehend sind die wichtigsten Beschreibungsparameter dargestellt.

Die dargestellten Handformen sind aus dem amerikanischen Fingersprachealphabet entlehnt und bilden ein wichtiges Kriterium bei der Beschreibung und Zusammenfassung von einzelnen Gesten zu Gestentypen (McNeill, 1992).
Neben der Handform, sind auch die beteiligten Hände ein wichtiges Kriterium der Beschreibung und des Vergleichs von Gesten.

lh – linke Hand (left hand)
rh – rechte Hand (right hand)
bh – beide Hände (both hands)

Um die Geste genauer beschreiben zu können, wurden für einen Vergleich und letztlich für die Zusammenfassung der Gesten zu Typen auch die an der Pose beteiligten Finger betrachtet.

th – Daumen (thumb)
if – Zeigefinger (index finger)
mf – Mittelfinger (middle finger)
rf – Ringfinger (ring finger)

Bezüglich der Orientierung der Hände wurde auf das gängigste System nach McNeill (1992) zurückgegriffen. Demnach existieren die sechs dargestellten Möglichkeiten, die Beschreibung, Vergleich und eine Klassifikation der Gesten ermöglichen.

PUOH – Die geöffnete Handfläche ist nach oben gerichtet (palm up open hand)
PDOH – Die geöffnete Handfläche ist nach unten gerichtet (palm down open hand)
PLOH – Die geöffnete Handfläche ist zur Seite gerichtet (palm lateral open hand)
PVOH – Die geöffnete Handfläche ist mit den Fingerspitzen nach oben oder unten gerichtet (palm vertical open hand)

Der Linguist und Gestenforscher McNeill teilt den Raum, in dem die Gestenkommandos gezeigt werden, in unterschiedliche Segmente auf. Diese Segmente sind in der Abbildung schematisch dargestellt. Auch dieses Modell dient der Beschreibung und Klassifizierung von Gesten zu Gestentypen. Genauer wird hier die Position der Geste beschrieben. Es kommt insbesondere dann zur Anwendung, wenn sich die Bewegung der Gesten von einem Segment in ein anderes erstreckt.

cc – zentrale Mitte (center-center)
c – Mitte (center)
p – Peripherie

TU – nach oben (towards up)
TD – nach unten (towards down)
TC – seitlich zur Mitte hin (towards center)
AC – seitlich von der Mitte weg (away from center)
TB – zum Körper hin (towards body)
AB – vom Körper weg (away from body)
Neben den linguistischen Beschreibungsparametern für Gesten existieren in Ansätzen auch Beschreibungsparameter aus dem Forschungsfeld der Mensch-Maschine-Interaktion. Dazu gehört die Beschreibung der „Form der Geste“. Sie wurde als ergänzendes Kriterium herangezogen, da sie sich für die Klassifizierung von Gesten im zweidimensionalen Raum als praktikabel erwiesen hat. Nach Wobbrock (2009) sind die dargestellten Formen von Gesten zu unterscheiden.

Statische Pose – Handpose unverändert an einer Stelle
Dynamische Pose – Handpose wird an einer Stelle zusammengeführt
Dynamische Pose und Pfad – Handpose verändert sich während sich die Hand bewegt
Ein-Punkt-Berührung – Statische Pose mit einem Finger
Ein-Punkt-Pfad – Statische Pose und Pfad mit einem Finger

Neben der Form der Geste wurde die Anbindung der Gestenkommandos als Vergleichsparameter herangezogen. Hier sind objektzentrierte und umweltabhängige Anbindungen der Gestenkommandos zu unterscheiden (Wobbrock, 2009).

objektzentriert – Position in Bezug auf Objektmerkmale festgelegt
umweltabhängig – Position in Bezug auf Umweltmerkmale festgelegt

McNeill, D. (1992). Hand and mind: What gestures reveal about thought. University of Chicago press.

Wobbrock, J. O., Morris, M. R., & Wilson, A. D. (2009, April). User-defined gestures for surface computing. In Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1083-1092). ACM.